Kampo-Medizin: Von Japan nach Europa

Kampo steht für die traditionelle japanische Phytotherapie und spielt neben der Akupunktur in Japan eine große Rolle. Während Kampo in Japan als ärztliche Therapiemethode in die moderne Medizin integriert ist, wird sie in Deutschland erst allmählich bekannt. Dr. Heidrun Reißenweber-Hewel hat einen Lehrauftrag am Kompetenzzentrum für Komplementärmedizin und Naturheilkunde der Technischen Universität München, betreibt eine Praxis für Japanische Medizin und ist als Dozentin der Deutschen Ärztegesellschaft für Akupunktur (DÄGfA) maßgeblich für die Ausbildung von Ärzten in der Kampo-Medizin zuständig. Deshalb war ihr die Zulassung des ersten Arzneimittels aus dem Reich der ostasiatischen Kampo-Heilkunde in Europa ein besonderes Anliegen. 

Reißenweber-Hewel wusste schon im Alter von fünf Jahren; „Ich will Ärztin werden.“ Nach dem Abi stand fest, es soll neben der modernen Medizin auch die ostasiatische Heilkunde sein. Die Hochkultur hatte Reißenweber-Hewel schon immer fasziniert. „Was mich an Asien interessiert, finde ich in Japan.“ Im Land der aufgehenden Sonne sind die traditionelle und moderne Medizin eng verbunden. Die Fachärztin für Innere Medizin und Gastroenterologie hat auch einen Magister der Japanologie und in japanischer Medizingeschichte promoviert. Drei Jahre hat Reißenweber-Hewel am Forschungsinstitut der Kitasato Universität in Tokyo verbracht. Die Ärztin spricht fließend Japanisch in Wort und Schrift. Außerdem war Reißenweber-Hewel viele Jahre lang an der LMU München tätig und ist langjährige Präsidentin der Internationalen Gesellschaft für Japanische Kampo-Medizin (ISJKM).

Geschichte Kampo-Medizin

Ursprünglich stammt die Kampo-Medizin aus China und kam etwa 500 nach Christus nach Japan. Die chinesischen Schriftzeichen wurden von den Japanern übernommen, obwohl die beiden Sprachen unterschiedliche Wurzeln haben.  „Schriftzeichen und Sprache passten anfangs nicht zusammen“, erzählt Reißenweber-Hewel. Silbenzeichen dienen als Verbindung. Ähnlich wie die Sprache wurde auch die Medizin übernommen. Die Kampo-Medizin wurde an die japanischen Bedürfnisse angepasst und ab dem 15. Jahrhundert schließlich als eigenständige Therapieform mit vielen neuen Rezepturen etabliert. 

Die Präparate bestehen meist aus drei bis zwölf Komponenten. Neben der Linderung von Beschwerden ist es auch Ziel der Behandlung, den Organismus in seiner Gesamtheit zu betrachten und zu stärken. In Japan sind Kampo-Präparate als Arzneimittel zugelassen. Typische Indikationen sind beispielsweise Erkältungskrankheiten, Muskelschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, chronische Harnwegsinfekte und Wechseljahresbeschwerden. 20 bis 30 Rezepturen haben auch im Rahmen der Selbstmedikation einen großen Stellenwert. 

Rezeptur des Arzneimittels und definiertes Beschwerdebild sind der Diagnose hierzulande oft ähnlich. „Die Kampo-Medizin ist gut für die Selbstmedikation geeignet und nicht nur Spezialgebiet der Ärzte“, weiß Dr. Reißenweber-Hewel. An die Ausgangsmaterialien werden hohe Ansprüche in Bezug auf die Qualität gestellt. Traditionell werden in der Kampo-Medizin Dekokte eingesetzt, inzwischen sind diese jedoch in den Hintergrund gerückt und wurden zu etwa 90 Prozent durch Extraktprodukte ersetzt. Eines von ihnen ist Rikkunshito. Die Fixkombination aus acht Arzneipflanzen hat sich bereits seit dem 16. Jahrhundert in Japan bewährt und wird bei Magen-Darm-Beschwerden eingesetzt. Die Wirksamkeit von Rikkunshito wurde in Japan umfangreich durch Studien belegt.

Yamato®Gast – das erste in Deutschland zugelassene Fertigarzneimittel aus der Kampo-Medizin

In Deutschland ist dieselbe Kombination aus acht Heilpflanzenunter dem Namen Yamato®Gast als traditionelles pflanzliches Arzneimittel registiert und auf dem Markt eingeführt. Yamato®Gast ist damit das erste in Deutschland zugelassene Fertigarzneimittel aus der Kampo-Medizin.  

Eine gepresste sprühgetrocknete Extrakttablette hat einen Wirkstoffgehalt von 265 mg, bestehend aus einer Mischung von Ginsengwurzelstock, Atractylodes-japonica-Wurzelstock, Poria-Fruchtkörper, Pinellia-Rhizom, Citrus Unshiu Fruchtschale, Jujube-Früchte, Süßholzwurzel und Ingwerwurzelstock. Das Präparat kann ab einem Alter von 18 Jahren zur Linderung von leichten Magen-Darm-Beschwerden wie Appetitlosigkeit, Unwohlsein, Völlegefühl und Blähungen eingenommen werden und ist als Filmtablette auf den Markt. Die Darreichung in Tablettenform erleichtert die Einnahme und ist somit auch besonders praktisch für unterwegs. Patienten nehmen dreimal täglich drei Tabletten ein, wobei jeweils eine Einzeldosis à 3 Filmtabletten in einem praktischen Sachet enthalten sind. Yamato®Gast ist in den zwei praktischen Packungsgrößen für eine 7-tätige sowie eine 14-tätige Anwendung erhältlich. 

Wirkung Yamato®Gast

Die Wirkung von Yamato®Gast ergibt sich aus dem Zusammenspiel der 8 kombinierten Heilpflanzen. Der als Stärkungsmittel bekannte Ginseng fördert beispielsweise die Durchblutung der Magenschleimhaut1, Süßholz kann sich entzündungshemmend auswirken2, und die Magenschleimhaut schützen2. Ingwer hat sich bei Übelkeit gut bewährt und kann die Verdauung fördern3. Die motilitätsfördernde Wirkung kann das Völlegefühl mindern. 

Das sind laut Dr. Reißenweber-Hewel die Eigenschaften der anderen Bestandteile: Atractylodesjaponica-Wurzelstock ist magenschleimhautschützend, schmerzlindernd und verdauungsfördernd. Der Kiefernschwamm Poria ist ebenfalls entzündungshemmend und antioxidativ. Schleimhautprotektiv, antientzündlich und motiltätsfördernd sind die Eigenschaften vom Pinellia-Rhizom, das außerdem die Magensäureproduktion regulieren kann. Jujube-Frucht ist ebenfalls schleimhautprotektiv und verdauungsfördernd und die Schale der Satsumamandarine, die mit der Pomeranze verwandt ist, besitzt antiallergische, antientzündliche und spasmolytische Eigenschaften.

Die Registrierung von YamatoGast, was mit Magenfrieden übersetzt werden kann, hat einige Jahre in Anspruch genommen. YamatoGast ist das erste in Deutschland zugelassene Arzneimittel aus dem Reich der ostasiatischen Heilkunde. 

1 = Oyagi, A., Ogawa, K., Kakino, M., & Hara, H. (2010). Protective effects of a gastrointestinal agent containing Korean red ginseng on gastric ulcer models in mice. BMC complementary and alternative medicine, 10(1), 45.

2= Hosseinzadeh, H., & Nassiri‐Asl, M. (2015). Pharmacological effects of Glycyrrhiza spp. and its bioactive constituents: update and review. Phytotherapy Research,29(12), 1868-1886.

3= Universitätsklinikum Freiburg: Wunderknolle Ingwer – Naturheilkunde. URL: https://www.uniklinik-freiburg.de/nc/presse/publikationen/im-fokus/detailansicht/presse/41.html (04.07.2019).

Pflichttext 

Yamato®Gast. Zus.-Setz.:Eine Filmtablette enth. 265 mg Trockenextrakt (DEV 3-6:1) aus einer Mischung von Ginsengwurzelstock, Atractylodes-japonica-Wurzelstock, Poria-Fruchtkörper, Pinellia-Rhizom, Citrus Unshiu Fruchtschale, Jujube-Früchten, Süßholzwurzel und Ingwerwurzelstock (2:2:2:2:1:1:0.5:0.25), Auszugsmittel: Wasser. Sonst. Bestandt.: Siliciumdioxid-Hydrat, Croscarmellose-Natrium, Mikrokristalline Cellulose, Magnesiumstearat, Hypromellose, Macrogol 6000. Anw.: Traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Linderung v. leichten Magen-Darm-Beschwerden wie Appetitlosigkeit, Unwohlsein, Völlegefühl u. Blähungen ausschließlich auf Grund langjähriger Anwendung. Zur Anw. b. Erwachsenen. Gegenanz.: Nicht anwenden b. bek. allerg. Reakt. gegen einen der o. g. Bestandteile, b. bek. Lebererkrankungen, Stillzeit/Schwangerschaft, Kindern u. Jugendlichen, Einnahme von weiteren Arzneimitteln m. Süßholzwurzel, Diuretika, Herzglykosiden, Kortikosteroiden, Abführmitteln o. a. Arzneimitteln, welche Einfluss auf den Elektrolythaushalt haben. Nebenwirk.: Durchfall sowie Überempfindlichkeitsreaktionen o. Leberschädigungen. Pohl-Boskamp, Hohenlockstedt (1)

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