Irrungen und Wirrungen zum Thema Feinstaub

Das liegt was in der Luft – und zwar Feinstaub. Die Partikel sind nur einige Mikrometer klein und können Großstädte unter eine Glocke verschwinden lassen. Was jeder über Feinstaub wissen sollte, verrät Pneumologe, Internist und Autor PD Dr. Kai-Michael Beeh im Interview.

Feinstaub ist bereits seit 1959 Thema, aber was genau ist Feinstaub eigentlich? Wie groß sind die Teilchen und welche Partikel schweben in der Luft? 

„Feinstaub ist ein sehr heterogenes Gemisch von Schwebepartikeln in der Umgebungsluft. Übrigens stammen viele dieser Partikel nicht immer aus Verbrennungsprozessen, sondern aus natürlichen Quellen wie Sand oder organischen Materialien. Wir unterscheiden die Komponenten des Feinstaubs neben der chemischen Zusammensetzung vor allem anhand der Partikelgröße. PM10 (PM steht für „particulate matter“) bezeichnet Feinstaub, der weniger als 10 Mikrometer Durchmesser hat, PM2.5 heißt der „Feinst“-Staub mit weniger als 2.5 Mikrometer Durchmesser und PM0.1 schließlich ist „Ultrafeinstaub“ mit weniger als einem Zehntel Millionenstel Meter Durchmesser.“

Wie gefährlich ist Feinstaub für unsere Lunge? 

PD Dr. med Kai-Michael Beeh ist Pulmologe und Autor

„Vor allem PM10 und PM2.5. werden aufgrund Ihrer Größe in den unteren Atemwegen oder Lungenbläschen deponiert und können dort Entzündungen, Narbenbildung und wahrscheinlich sogar Krebs auslösen. Ultrafeinstaub kann über die Lunge sogar ins Blut gelangen und so auch fernab der Lunge gesundheitliche Komplikationen wie Schlaganfälle oder Herzinfarkte mitverursachen.“

Wie können wir uns schützen? 

„Es gibt mittlerweile eine relativ gute Überwachung der lokalen Luftqualität an meinem Wohnort. Die Feinstaubgrenzwerte werden zum Glück in den allermeisten Orten in Deutschland eingehalten – allerdings mehren sich Stimmen, dass unsere Grenzwerte im internationalen Vergleich angesichts der mit Feinstaub verbundenen Gesundheitsrisiken zu hoch angesetzt sind. Allgemein sollte man Sport und körperliche Aktivität grundsätzlich abseits von starken Feinstaubquellen wie Hauptverkehrsstraßen durchführen.“

„Was sind die größten Irrungen um Wirrungen um Feinstaub? 

„Es gibt ein paar Missverständnisse. Erstens: Feinstaub und Stickoxide sind nicht dasselbe, sie haben unterschiedliche Quellen, Grenzwerte und gesundheitliche Risiken. 

Zweitens: es gibt kein spezifisches Krankheitsbild der „Feinstaublunge“ – Feinstaub ist vielmehr ein Risikofaktor für das Entstehen bestimmter Erkrankungen wie chronische Bronchitis oder Lungenkrebs, vergleichbar mit dem Rauchen. 

Drittens: Feinstaub ist nicht gleichzusetzen mit „Verkehr“ oder „Industrie“ – ein Hauptverursacher von Feinstaubelastung in Deutschland ist die Landwirtschaft. 

Viertens: aufgrund der schon erwähnten natürlichen Hintergrundbelastung lassen sich Feinstaubkonzentrationen nicht beliebig durch politische/ökologische Maßnahmen senken. und schließlich fünftens: die aktuell übliche Erfassung der Feinstaubbelastung PM10 bzw. PM2.5. als Masse pro Luftvolumen (microgramm pro Kubikmeter) geht wahrscheinlich am Problem vorbei, da die mutmaßlich gefährlichsten Feinst- oder Ultrafeinpartikel nur einen geringen Masseanteil im Gemisch haben und ihre Bedeutung so unterschätzt werden kann. Sinnvoller wäre eine Messung nach der proportionalen Gewichtung der einzelnen Partikelgrößen. Hier brauchen wir aber noch mehr wissenschaftliche Studien.“  

Wir danken Herrn Dr. Beeh für die spannenden Informationen und die Aufklärung rund um das Thema Feinstaub. Wer mehr über die Lunge und das Gemisch aus Schwebepartikeln wissen möchte, sollte unbedingt das Buch „Die atemberaubende Welt der Lunge“ von Dr. Beeh lesen.

Und wer PD Dr. Kai-Michael Beeh Live erleben will, kann sich um eine von 10 exklusiven Apotheken-Lesungen unter 

https://www.apotheke-adhoc.de/gelomyrtol/apotheken-lesungen bewerben. 

Post a Comment