„Mit dem Herzen sieht man besser“ – Yoga in der Offizin

Monika Zeilinger ist approbierte Apothekerin, Heilpraktikerin, Tanzpädagogin und Yogi aus Leidenschaft. Die Wienerin sieht es als ihre Berufung Menschen Heilung, oder zumindest einen Ausgleich zu ihrem kräfteraubenden Alltag aufzuzeigen. Das gilt sowohl für zufällige Leser ihres Blogs als auch für ihre Kunden und Kollegen in der Offizin, oder im Yogastudio.

Monika unterrichtet Anusara Yoga. Anusara ist ein anmutiger, fließender und lebensbejahender Yogastil, welcher spirituelles Tantra und nüchterne Biomechanik kombiniert. Anusara Yoga ist besonders gut geeignet für Anfänger, da es auf Dogmen verzichtet. Jeder Mensch wird in seiner individuellen Vollkommenheit geschätzt – statt auf das Äußere wird Wert auf das Innere gelegt – nicht die Instagrammability, sondern das Feeling zählt. Es wird präzise durch die Posen geleitet was das Verletzungsrisiko minimiert. Anusara soll das Herz öffnen und zu mentaler Stärke führen. Für Im Herzen Apotheke haben wir Monika interviewt:

Wie bist du zum Yoga gekommen und falls es kein Geheimnis ist wie alt warst du damals?

Das war vor 15 Jahren, damals war ich 30 Jahre alt. In meinem Kurs gibt es aber auch wesentlich ältere Anfängerinnen. Ich habe Schülerinnen, die mit Mitte 60 zum ersten Mal auf einer Yogamatte stehen.  Ich hatte sogar mal eine Frau bei mir im Kurs die mit 83 Jahren angefangen hat Yoga zu praktizieren. Yoga hat keine Altersbeschränkung. Auch wenn man auf Instagram häufig eher die jüngeren Yogis sieht, trügt der Schein. 

Hattest du selbst auch Vorurteile gegenüber Yoga?

Ja, bevor ich damit angefangen hatte, dachte ich Yoga ist zum Einschlafen langweilig. Dieses Urteil habe ich aber nach meiner ersten Stunde sofort revidiert: Ich war nämlich viel energiegeladener und wusste sofort, dass ich das weiter machen und Yoga Lehrerin werden will.

Wie lange war deine Reise vom Yoga-Neuling zur Yoga-Lehrerin?

Ich habe immer schon nebenbei unterrichtet, in verschieden Yoga Studios oder Schulen, Fitness Studios, auf Veranstaltungen, Kongressen, sogar in der Offizin. Als Tanzpädagogin hatte ich in dieser Beziehung wohlmöglich einen kleinen Startvorteil. Die Ausbildung zur Yoga Lehrerin auch bekannt als „Teacher Training“, habe ich mit 40 Jahren, also 10 Jahre nach meiner ersten Yogaerfahrung abgeschlossen.

Was ist für dich die wichtigste Botschaft aus deiner Praxis?

Es ist besser auf sein Herz zu hören als auf den Verstand. Das wusste schon der kleine Prinz!

Wie lebst du Anusara in deinem Alltag?

Natürlich lebe ich immer Anusara, das kann man gar nicht mehr trennen. Der größte Einfluss ist, dass ich keine Sachen mehr machen kann die nur nach dem Verstand gehen. Ich muss immer mein Herz integrieren. Geld wird nebensächlich, überzogene Moralvorstellungen auch. Man wird automatisch achtsamer und lebt ein authentischeres ich.

Was ist deine Lieblingsübung zur Lockerung für zwischendurch?

Ganz einfach: Schütteln, strecken und atmen.

Zu den Seiten und nach oben dehnen, oder mit ausgestreckten Armen um die eigene Achse drehen. Hüftkreisen ist auch super.

Wir haben gehört du planst eine Yoga Challenge in deiner neuen Apotheke. Was habt ihr euch vorgenommen?

Wir wollen ab Oktober in der St. Nikolaus Apotheke in Wien mit den Mitarbeitern eine Mittagspausen Yoga-Challenge starten. Jeden Montag und Dienstag zwischen 12 und 2 werde ich 10 Minuten lang einfache Lockerungs- und Atemübungen vor dem Essen anleiten. Wir werden sehen wie lange wir es durchhalten. Wir freuen uns natürlich, wenn andere Apothekenteams es uns gleichtun. Und keine Sorge, um den Körper zu spüren muss man sich nicht erst in Schale werfen, oder teure Ausrüstung kaufen. Bequeme Alltagsklamotten sind völlig in Ordnung.

Hast du auch eine Schritt-für-Schritt Anleitung für uns?

Na klar, hier kommt meine Übungsanleitung zum Lockern für zwischendurch in der Apotheke:

  1. Zur Ruhe kommen: Barfüßig oder mit Socken, ruhig und hüftbreit stehen (Tadasana). Nimm den Boden unter dir wahr und schließe die Augen 
  2. Durchatmen: Spüre deinen Atem. Lasse mit jedem Atemzug deinen Atem tiefer werden. Atme tief in den Bauch ein und hebe deine Brust. Lasse mit der Ausatmung wieder alles sinken.
  3. Visualisieren: Stell dir vor, dass du mit jedem Atemzug frische Energie in Form von hellem Licht einatmest und mit der Ausatmung alles abgibst, was dich am belastet hat oder geärgert hat. Stell dir vor wie sich deine Ausatemluft dunkel verfärbt, bis du alles ausgeatmet hast.
  4. Kopfkreisen: Lasse mit geschlossenen Augen deinen Kopf kreisen, ganz langsam und vorsichtig. Mit der Einatmung in eine Richtung, mit der Ausatmung in die andere Richtung, dann wieder wechseln.
  5. Schulterkreisen: Lass deine Schultern im eigenen Atemrhythmus kreisen
  6. Hüften kreisen: Lege deine Hände in die Hüfte und kreise einmal in die eine und dann in die andere Richtung, bis deine Hüften richtig locker werden
  7. Shake it: Schüttle deinen ganzen Körper durch, wenn du möchtest kannst du dabei ganz locker und sanft auf und ab hüpfen
  8. Strecken: Hebe deine Arme über den Kopf und streck dich und zieh dich lang und deine Bandscheiben auseinander
  9. Übung macht den Meister: Bring deine Arme wieder locker neben den Körper und atme ganz ruhig. Wiederhole die Streck-Steh-Übung ungefähr 10 Mal.
  10. Vorwärtsbeuge: Mit der Einatmung bringe wieder deine Arme über den Kopf, und mit der Ausatmung beuge dich nach vorne und komm in einer Vorwärtsbeuge (Uttanasana) an. Wiederhole diese Übung ungefähr 10 Mal.
  11. Mit der Einatmung: Bring wieder die Arme über deinem Kopf, fass mit deiner rechten Hand dein linkes Handgelenk und zieh nach rechts, mach die linke Flanke lang und weit. Mit der Ausatmung halten, wiederhole die Übung 3 – 4 Atemzüge lang. Wechsel dann die Seite und fass mit deiner linken Hand dein rechtes Handgelenk und zieh nach links…
  12. Komm mit der Ausatmung in einer Vorwärtsbeuge an, und beuge und strecke deine Beine im Wechsel. Wenn du magst, kannst auch auf der Stelle treten in dem du im Wechsel die Knie beugst und streckst und damit deine Hüfte lockerst.
  13. Mit der Einatmung stelle dein rechtes Bein zurück, und komme in der Sprinterposition an. Mach dich bis in die Finger lang und atme. Mit der Ausatmung führe deine Arme nach in kreisenden Bewegungen nach hinten. Lass 4x die Arme kreisen und atme bewusst. Komme schließlich zurück in die Vorwärtsbeuge und wechsle dann die Seite
  14. Richte dich wieder zum Stehen in Tadasana (Berghaltung) auf, komm zur Ruhe, spüre in deinen Körper hinein und atme bewusst.
  15. Lege deine Hände vor dem Herz aufeinander und lasse ein langes Ommmm erklingen.

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